Heute Morgen beim Frühstück: das Radio läuft, erster Mailcheck steht an und die Brand eins April liegt dort. Ich will den Schwerpunkt „Konzentration – Ruhe bitte“ lesen. Wer die Schwerpunkte von Wolf Lotter kennt, weiß, dass er gerne viel verpackt in seinen Sätzen und das auch gerne etwas zwischen den Zeilen zu finden ist. Okay, ich mache das Radio aus und konzentriere mich, anders ist die Erfassung und die zu gewinnende Erkenntnis für mich nicht machbar. Und da sind wir beim Thema: Die Informationsgesellschaft, in der wir heute noch leben, sollte eine Übergangsgesellschaft von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft werden. Doch mit dem zunehmenden Eifer und wachsender Betriebsamkeit verstärken wir nur die Muster aus der alten Industriezeit, wo Akkordleistungen und beim Maschineschreiben die Anschläge zählten. So sammeln wir heute fleißig Informationen und Daten, aber wir finden immer weniger Zeit, um konsequent darüber nachzudenken, wohin wir damit wirklich wollen. Aktionismus, Hektik, Stress stehen auf der Tagesordnung, wir sind in einer ständigen Alarmbereitschaft.

001_b1_05_13_Titel_4c.inddDer im Brand eins-Artikel zitierte Professor der Arbeitspsychologie der TU Jena, Rüdiger Trimpop, berät Unternehmen und stellt dabei fest, dass Führungskräfte und Manager sich zunehmend beklagen, keine Zeit für Nachdenken zu haben. Sein Vorschlag, wöchentlich ein bis zwei Stunden Zeit für Konzentration und Nachdenken über Projekte oder Anforderungen einzuplanen,  stieß jedoch trotzdem immer erst einmal auf Irritation und Ablehnung.

Ruhe, Nachdenken und Philosophieren ist nicht mehr als wertvoll anerkannt, der Begriff Meditation – im Lateinischen „in Ruhe nachzudenken“ – ist sogar eher negativ, weil abweichend belegt. Wir finden es positiv immer in Bewegung zu sein, heben unsere Multitasking-Fähigkeit hervor und sehen in der Kommunikation einen Hauptzweck unseres Handelns. Wolf Lotter stellt in dem Artikel fest, dass wir aber nur noch reden, posten, mailen, statt reflektiert zu handeln. Wir stehen vor großen Umbrüchen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft, reden viel auf Konferenzen, in Meetings, bewegen uns viel – aber irgendwie geht nicht wirklich irgendwo etwas Großes voran.

Auch das neue Buch von David Coleman, der Autor von „Emotionale Intelligenz“, heißt „Konzentriert Euch“. Auch er ist der Meinung, dass wir eine große Fähigkeit des Menschen – nämlich denken und nachdenken zu können – einfach vernachlässigen und langsam aufgeben. Wir lassen uns auf vielen Kanälen mit Informationen und Reizen berieseln und haben daher oft das Gefühl, uneffektiv zwischen den Dingen hin- und herzuspringen, aber nicht viel zu Ende zu bringen oder gar 100prozentig zu machen.  Um jedoch Wissen für komplexer werdende Anforderungen zu generieren, zukunftswirksame Leistung zu erbringen und Aufgaben erfolgreich zu meistern müssen wir Aufmerksamkeit bündeln und die Kunst, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, wieder fördern.

Also weg von der ständigen Ablenkung, von dem alles schnell mal nebenher und nichts richtig, hin zum konzentrierten Nachdenken und Handeln sowie eins nach dem anderen – das ist doch eine gute Erkenntnis an einem Freitag-Morgen. Wie wir diese Einstellung in der heutigen Arbeitswelt implementieren können, um Wissensarbeiter effektiv zu stützen, dass ist eine spannende Aufgabe. Aber allein die Bewusstheit leitet Veränderung ein. Und damit sind der Artikel und das Buch zur richtigen Zeit erschienen. Viel Spaß beim Lesen – sich dafür die Ruhe zu nehmen, lohnt sich!