…indem Du uns ein Lächeln schenkst“ tönt es jeden Morgen aus meinem Radio. Und so langsam frage ich, wie lange Bayern 3 diese Aktion „Ein Lächeln für Bayern“ mit eigens komponiertem Song noch plant weiterzuführen. Für mich fühlt es sich langsam an als wären es schon Monate, dass der Radiosender sich dem Anliegen verschrieben hat, Bayern mit mehr Glück – oder zumindest dessen angemessene Wahrnehmung – zu versehen; dass Glücksforscher, Psychologen, Coaches über dieses schöne Gefühl und unsere verminderte Fähigkeit, es zu fühlen, reden. Und das, obwohl sie und eigentlich auch wir wissen, was Glücksempfinden in der Folge alles freisetzen kann: Energie, Ausgeglichenheit, Souveränität, Geistesblitze, Anziehungskraft auf andere – und vor allem Erhaltung der Gesundheit.

Ich fühlte heute Morgen ein aufflammendes Genervtsein gegen dieses Verordnen von Lächeln und mehr Achtsamkeit für kleine Glücksmomente mit dem Gedanken „Meine Güte, wir haben es jetzt alle vestanden!“. Und mit diesem Unwillen kam sofort das schlechte Gewissen: „Schau, schon ein täglicher Reminder für Glück nervt Dich – hast Du etwa ein Problem?“ – Das wiederum gab nun den Anstoß zu heutigem Beitrag. Heißt es, etwas verstanden zu haben, es auch leben zu können? Nein, fast jede Psychologie-Schule und jede Coaching-Ausbildung lehrt, dass uns vieles vom Verstand aus klar ist und wir es trotzdem nicht umsetzen können. Wir müssen es fühlen, nachempfinden und es mit unserem Innersten erfassen, was wir vermissen, was uns fehlt, was wir als unwichtig verdrängen, um innehalten zu können und typische Verhaltensmuster zu erkennen und nur mit dieser Grundlage Veränderung angehen zu können.

Was heißt das für das Thema Glück? Haben wir verlernt glücklich zu sein? Was ist Glück und was sind Glücksmomente für Sie? Eine amerikanische Studie hat schon 2010 gezeigt, dass mehr Geld ab dem Einkommen von 75.000 Dollar brutto (umgerechnet 60.000 Euro) nicht glücklicher macht. Gut, nun muss man das erstmal haben – aber die Annahme, dass Reiche mehr Glück und weniger Stress empfinden, trifft psychologisch gesehen nicht zu. Unsere Jagd nach Geld und Titel ist eher dem Wunsch nach Anerkennung und Status als nach Glück und Zufriedenheit geschuldet.

urn:newsml:dpa.com:20090101:120911-90-005225

Die Deutsche Post hat 2012 eine Studie – den Glücksatlas 2012 – durchführen lassen, die gesellschaftliche Gründe für Lebenszufriedenheit untersucht. Dabei kamen interessante Ergebnisse zum Vorschein: Hamburger sind zufriedener als Münchener. Zugrunde lagen bei der Umfrage von TNS Emnid Faktoren wie Kultur, Verkehr, Naherholung oder die Attraktivität als Wirtschaftsstandort. Die Zufriedenheitsskala umfasst 0 bis 100 Punkte und das Ergebnis zeigt mir tatsächlich eins: wir Münchner können unser Glück nicht richtig wahrnehmen, sind wohl zu anspruchsvoll oder zu gleichgültig, wenn z.B. D-Dorfer oder Hannoveraner Ihrer Stadt mehr Punkte geben als die Münchner der ihrigen:

1. Hamburg: 84,4 2. Düsseldorf: 81,0 3. Dresden: 80,3

4. Hannover: 79,6 5. München: 79,4 6. Leipzig: 79,0 7. Frankfurt am Main: 77,5 8. Bremen: 76,3 9. Stuttgart: 74,3 10. Bonn: 73,6 11. Berlin: 73,3 12: Köln: 72,8

Und auch beim Vergleich der Bundesländer liegen Hamburg und Niedersachsen vor Bayern in der Lebenszufriedenheit. Tja, und somit sind wir wieder bei Bayern 3 und der „Ein Lächeln für Bayern“-Aktion. Wir müssen es wohl noch ein paar Glücksmomente länger erzählt bekommen, dass wir genug Gründe zum Lächeln haben. Es (das Vorhandensein von Glück) muss noch von der Verstandes-Ebene in die Gefühlsebene und dort genug Zeit, Achtsamkeit und geschätzte Wahrnehmung zum Ausleben bekommen. Ich werde jetzt jeden Morgen lächeln, wenn der eigens produzierte Song mein Ohr kitzelt, und mich einfach auf einen schönen Tag in München und vor allem in meinem Leben freuen. Ich nutze ihn jetzt als lieben Reminder zum Innehalten, zum Raumschaffen für die vielen kleinen positiven Momente. Und Sie? Welche Glücks-Reminder wählen Sie?