Letzte Woche hatte ich wieder ein Medientraining mit dem Fokus: Wie gebe ich Interviews oder Statements vor der Kamera, also für TV-Sender. Entgegen meines sonstigen Aufbaus, der einen einführenden Teil und dann das Live-Training mit Kameramann sowie anschließendem Feedback zu dem Filmmaterial, legte der Kunde –eine Partei, die einige Landtagsabgeordnete kamera-fit machen wollte – Wert darauf, sofort in das Live-Training einzusteigen. Also das erste Filmmaterial entstand ohne jegliche Vorbereitung der Teilnehmer.

Es waren fünf Teilnehmer, die jeweils ca. 1,5 Stunden trainiert wurden. Jede Einheit begann mit einem Überfallinterview, nach dem folgte eine ausführlichere Interview-Situation mit Kamera- und Lichtsetting, und dann gab es eine ausführliche Feedback-Runde mit dem gesamten Rohmaterial. Danach folgte eine neue Runde vor der Kamera, wo die Teilnehmer sich mit dem neuen Wissen gleich ausprobieren konnten. Und ein weiteres Feedback zu dem neuen Material.

Es war eine sehr intensive, individuelle Arbeit, die auch allgemeines Wissen über die Vorbereitung und Wirkung vor der Kamera vermittelte, die aber vor allem über das persönliche Erleben der eigenen Kamera-Präsenz einen großen Lerneffekt erzielte. Die Weiterentwicklung war bei allen Teilnehmern außerordentlich sichtbar und hat mich von diesem sehr individuellen Format überzeugt. Es bestätigt den Trend in der Weiterbildung, dass der persönliche Ansatz der wirksamere ist und dass damit die Methode des „persönlichen Coachings“ zukunftsrelevant ist.

Setzen Sie als Presse-Verantwortliche/r und Personalentwickler/in auf diese Art Medientraining, denn es kommt auf eine individuell gelungene Performance vor der Kamera an, wie erfolgreich die Presse-Maßnahme wirkt. Üben Sie und damit Ihr Unternehmen nicht erst im tatsächlichen Ernstfall, sondern lernen Sie schon vorher, dass Sie sich die Kamera zum Freund machen können, was Sie beachten müssen und wie Sie Ihren Standpunkt TV-adäquat “rüberbringen”.

Denn machen Sie sich bewusst:

1. Bei einem „Auftritt“ – ob Interview, Statement, Rede, Präsentation – wirkt zu 70 Prozent das Bild und nur zu 30 Prozent das gesprochene Wort.

2. Ob wir jemanden sympathisch finden, hängt nur zu 10 % vom gesprochenen Wort ab.

3. Überlegen Sie gut, wann und wem Sie ein Interview geben, Sie müssen nicht zu allem und in jeder Situation verfügbar sein (Thema liegt Ihnen nicht, Sie sind zu sehr involviert, nicht gut drauf, die Situation ist hochexplosiv).

4. Denn: Gesagt ist gesagt – jedes einmal gegebene Statement/Interview kann immer wieder verwendet werden und Presse-Archive sind international jahrzehntelang verfügbar.

5. Allerdings gilt das „Nicht-Reden“ nicht für eine Krise, hier ist Information besser als Medienspekulationen. Ein Statement wie „Derzeit liegen uns noch keine Erkenntnisse vor, aber wir tun alles zur Klärung. Wir werden Sie dann sofort informieren“ ist besser, als Abwiegeln oder Vermutungen.