Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt, dass wir doch alle sehr an der kurzen Handy- oder Mail-Leine hängen: 77 Prozent der Berufstätigen in Deutschland sind außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden per Handy oder E-Mail erreichbar. 30 Prozent sind es sogar jederzeit, 32 Prozent zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel abends an Wochentagen oder am Wochenende.

Die aktuelle Studie hat weiter ergeben, dass 87 Prozent aller Berufstätigen mit einem Computer und 67 Prozent mit Handy oder Smartphone arbeiten. Dabei gehe der Trend zum mobilen Arbeiten. Laut Umfrage nutzen 79 Prozent aller Erwerbstätigen für ihre tägliche Arbeit mobile Geräte. Das befeuert natürlich die momentane Diskussion, ob unsere maßlose Mobil-Nutzung und das damit verbundene Nicht-Abschalten-Können vom Job nicht viele andere momentan zunehmende Erscheinungen wie Burnout, Stress, fehlende Dialog- und Konfliktkompetenz nach sich ziehen.

Laut Spiegel schaltet VW seit letztem Jahr die Server für den Mail-Abruf der Mitarbeiter ab: „Blackberry Pause: VW-Betriebsrat setzt E-Mail-Stopp nach Feierabend durch“, damit es wieder einen Feierabend gibt – die Möglichkeit für einen Lebensteil ohne Job-Unterbrechung. Daimler zieht in diesem Jahr nach. Flexible Arbeitszeiten seien ja gut und schön, und mobiles Arbeiten würde neue Chancen eröffnen – findet auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, aber sie befürchtet eine Massen-Sucht und forderte schon letztes Jahr einen psychischen Arbeitsschutz für deutsche Arbeitnehmer. Das ständige blinkende und surrende Smartphone vermittelt den Menschen eine Wichtigkeit und Wertschätzung, die viele abhängig macht, unterstützt Frank Brenscheidt, Arbeitspsychologe von der Bundesanstalt für Arbeit, eine klare Regelung für Mailnutzung zumindest im Unternehmen.

Und der weltweite IT-Dienstleister Atos hat 2011 angekündigt, den steinigen Weg zu gehen, den internen Mailverkehr abzuschalten. Letzte Woche hat die Computerwoche mit dem deutschen Atos-Chef eine aktuelle Bestandsaufnahme zu diesem „zero email project“ gemacht. Denn Atos hatte festgestellt, dass die Bearbeitung von internen Mails am Tag zu viel Zeit einnimmt und etwas schief läuft. Allein eine Awareness-Schulung entwickelt aus einer Emailverhaltens-Analyse hat schon eine Reduzierung um 30 Prozent ergeben (Ist eine Antwort erforderlich? Welcher Verteilerkreis ist wirklich notwendig? Etc.)

Na, diese ganzen Zahlen- und Info-Aufzählungen zeigen doch tatsächlich, dass wir den großen Raum der kleinen „Smarties“ in unserem Leben mal genau überdenken sollten. Und ich finde es außerordentlich erstaunlich, dass man sich noch vor gut 15 Jahren wichtig fühlte, wenn man nicht mehr persönlich erreichbar war, sondern die Assistenz Anrufe und Post filterte; und heute sich umso wichtiger fühlt, wenn es blinkt. Da überlassen wir mal kurzerhand einem technischen Gerät unsere volle Aufmerksamkeit und somit unseren Freizeitverlauf.

Man mache sich klar, es geht dabei meistens um Arbeitsanfragen, die mitnichten auf unsere Einzigartigkeit zielen oder tatsächlich von hoher Zeitsensibilität sind. Also, wenn unsere Arbeitgeber keine Leitfäden aufstellen, sollten wir für einen adäquaten Umgang sorgen – schalten Sie doch einfach mal ab und genießen das real life in Ihrer Freizeit!