Die Business-Plattform Xing hat Anfang des Jahres eine Umfrage veröffentlicht, nach der sich rund 50 % der Berufstätigen in Deutschland einen Berufswechsel in diesem Jahr vorstellen können. Zum einen spielen dabei natürlich Aspekte wie höheres Gehalt, schnellere Aufstiegschancen und interessanterer Arbeitgeber bei einem Teil eine Rolle. Ein anderer Teil der Wechselwilligen will aber etwas anderes machen, nochmal neue Herausforderungen angehen und sich persönlich wirklich weiterentwickeln – nicht nur auf dem Konto.
Juggling Businessman
Um- oder Neuorientierung ist das Schlagwort für dieses Vorhaben. Meist beginnt es mit einer wachsenden Unzufriedenheit im Job, man hat erst keine Freude mehr und in Folge keine Motivation sowie Energie. Die Betroffenen stellen verstärkt den Inhalt und das Umfeld ihrer Tätigkeit in Frage und beginnen daran zu zweifeln, ob das (noch) das Richtige für sie ist. Und da unser Beruf ein wichtiger Teil unserer Identität ist, wird dieser Zweifel oft existenziell empfunden. Allein, wenn wir uns unseren Sprachgebrauch anschauen – „Ich bin Marketing Manager, ich bin Journalistin, ich bin Lehrer, ich bin Rechtsanwältin“ anstelle „Ich arbeite als …“ -, wird deutlich, wie sehr wir uns mit unserem beruflich Tun identifizieren, wie sehr es zu unserem Sein geworden ist. Selbst in Online-Singlebörsen steht der Beruf an erster Stelle. Und somit wird auch klar, wie schwierig der Weg werden kann, hier zu einer echten neuen beruflichen Identität zu finden.

Aber wenn die Identifizierung mit unserem täglichen Handeln, die Freude und die Verwirklichung abnimmt, gilt es zu reagieren. Das Arbeit-ABC hat zur ersten Übersicht folgende Bedingungen für eine Neuorientierung zusammengestellt:
+ Unerreichbarkeit kurz-, mittel- oder langfristiger beruflicher Zielvorstellungen (z. B. geringe Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten)
+ Nicht-Übereinstimmung von Arbeitsaufgaben und den eigenen Fähigkeiten (z. B. Unter- und Überforderung, Langeweile, Stress und Zeitdruck)
+ Unvereinbarkeit von Berufs- und Privatleben (z. B. wenig familienfreundliche Arbeitsbedingungen, mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten)
+ fehlende oder unzureichende soziale Beziehungen am Arbeitsplatz (z. B. schlechtes Arbeitsklima, Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen, Mobbing)
+ unzureichende Möglichkeiten zur finanziellen Existenzsicherung (z. B. geringes Einkommen, mangelnde Sozialleistungen, Arbeitsplatzunsicherheit)
+ gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Arbeit (z. B. durch stetige Mehrarbeit, unregelmäßige Dienstzeiten, Nacht- und Schichtarbeit, schwere körperliche oder psychisch belastende Tätigkeiten)
+ Krankheiten oder Behinderungen, die die bisherige berufliche Tätigkeit erschweren oder unmöglich machen
+ stark abnehmende Sinnhaftigkeit und Verwirklichung eigener Werte

Und wenn es gerade nicht um Gehalt und Karriere in demselben Tätigkeitsbereich geht, reicht es nun mal nicht aus, seine Bewerbungsunterlagen auf Vordermann zu bringen, sein Netzwerk „anzuschmeißen“ und sich auf die Suche nach einer passenden Position zu machen. Bei der Neuorientierung steht vor der Handlungsebene die Selbstreflexion- und Selbstkonzept-Ebene – Fragen wie: Was beschäftigt mich? Was ist mein tatsächlich Eigenes? Was macht mich aus und was möchte ich davon leben? Was fehlt mir? Erst mit der Kenntnis des jetzigen eigenen Ichs kann dann die Handlungsebene in Angriff genommen werden.

Es gibt viele interessante Bücher, die gute Ansätze zur Selbstreflexion und sinnvolle Unterstützung in den verschiedenen Phasen liefern, die eine erste Auseinandersetzung in Gang setzen können. Aber in der reinen Eigensicht wird jeder Mensch hier nur in seinen Grenzen verbleiben und nicht seine persönlichen blinden Flecken entdecken, individuelle fruchtbare Inspirationen bekommen und im Dialog seine Muster erkennen und damit schon den ersten Schritt zur Veränderung machen. Vor allem bei der Umorientierung ist ein unabhängiger Sparingspartner von großem Wert, um das Chaos im Kopf zu strukturieren, wichtige Erkenntnisse über sich zu gewinnen, das adäquate Vorgehen zu entwickeln und bei Rückschlägen persönlich unterstützt zu werden.

Denn wie sagt ein indisches Sprichwort so schön: „Wer auf die Jagd nach einem Tiger geht, muss damit rechnen, auch einen Tiger zu finden.